Waldfrevel

 
Mountainbiker haben ein besonderes Verhältnis zum Wald, vielleicht ein intensiveres als Otto Normalbürger.
Wir wollen nicht davon reden, dass die Nutzung des Waldes durch die Menschen im Mittelalter viel schlimmer war.
Nach der großen Periode der Rodungen, die von der Völkerwanderung bis etwa zum Ende des 14. Jahrhunderts n. Chr. anhielten, war vom Wald nur noch wenig übrig geblieben. Zu dieser Zeit war Deutschland nur noch mit etwa einem Drittel seiner Fläche von Wald bedeckt. Die Landwirtschaft beanspruchte die ertragreichsten Böden… Der Restbestand war jedoch unentbehrliche Grundlage menschlichen Lebens, denn die ganze Energieversorgung basierte ausschließlich auf dem Rohstoff Holz. Außerdem war Holz die Grundlage für den Hausbau und zahlreiche Gewerbe. (www.wald-und-forst.de)
 
Heute haben wir eine andere politische und wirtschaftliche Situation – oder doch nicht?
Was viele Menschen – auch Nichtmountainbiker – heute erleben, grenzt an Frevel. Waldfrevel nicht im herkömmlichen Sinn als unberechtigtes Entwenden von Holz aus dem Wald, sondern als übermäßige Nutzung des Waldes, als Gewalt am Wald aus „wirtschaftlichen“ Motiven…
 
Wir erleben diese „Nutzung“ des Waldes in unterschiedlicher Form:
* Freie Fahrt für freie Bürger, auch durch den Wald
Die Motive sind nicht immer klar: Ist es die vermeintliche Zeitersparnis, ist es der Umweltschutzgedanke, möglichst wenig Kilometer zu fahren? Jedenfalls werden immer häufiger Waldwege zum Autofahren genutzt, auch Radwege. Ein Beispiel ist der Schmelzer Rundweg, auf dem oft PKWs anzutreffen sind.
Schranken stören bei diesen Fahrten und müssen unschädlich gemacht werden: herausreißen, verbiegen, demolieren (siehe Foto)
* Ungehemmtes Ablagern von Müll im Wald
Man muss heutzutage sparen, wo es geht, z.B. Müllgebühren, Gebühren im Wertstoffhof. Also wird der Müll im Wald entsorgt.
* Nutzung des Waldes zum Auffüllen von Löchern in staatlichen Haushaltskassen
Das kennen wir zur Genüge. „Nachhaltige Waldbewirtschaftung“ wird das genannt: „die Behandlung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen gewährleistet, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.“
Die Folgen sind jedem Wanderer, Läufer, Mountainbiker bekannt.
 

 
Politisch unklar bleibt auch immer noch, in welchem Verhältnis die Bedürfnisse der Menschen, die des Tourismus und die des Staates zueinander stehen. Warum fordert zum Beispiel der Tourismus nicht mehr Behutsamkeit im Umgang mit dem Wald ein?
 
Wie gehen wir Mountainbiker im Saarland mit dem Problem um?
Eric Haus, Vorsitzender von Bike Aid, hat vorgeschlagen, bei Bike Aid eine Art Sammelstelle für „Waldfrevel“ einzurichten.
Einzureichen wären: Foto / GPS-Daten und / oder Text.
Bike Aid wird dann in einem bestimmten Rhythmus den Mängelbericht an die zuständigen Behörden weiterleiten
– und – für Eric ganz wichtig – medialen Druck machen, indem die Berichte auch veröffentlicht werden…

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