Tannheimer Tal 2006

Zöblen 2006

 

Das Mountainbikerevier
Das Tannheimer Tal ist eine Alpenregion, die von uns aus relativ gut zu erreichen ist: 460 km. Ätzend sind natürlich die Autobahnstücke zwischen Karlsruhe und Ulm. Nachts fahren lohnt sich. Kurz hinter Kempten verlassen wir die Autobahn und schlängeln uns durch das Oberallgäu. Nach Oberjoch öffnet sich Österreich und das schöne Tannheimer Tal. Im Winter ist hier mehr los als im Sommer oder Herbst. Wir wissen es zu schätzen. Trotzdem ist es sinnvoll, die schönen Ecken wie Füssener Jöchle, an Wochenenden zu meiden. Die Kabinenbahn schaufelt pausenlos Menschen hoch…
Die Gegend ist hervorragend geeignet für ein gemütliches Biken. Frauen, Ehefrauen und Partnerinnen werden es zu schätzen wissen, auf ashaltierten Sträßchen und Schotterwegen mit mäßigen Steigungen durch das Tal oder über Höhenwege biken zu können. Natürlich können auch Höhenmeter gemacht werden, z.B. Krinnenalpe oder Gappenfeldalpe. Singletrails sind wenige fahrbar. Meist sind es Wanderwege, auf denen das Bike viel getragen werden muss.

 

 

Das Tiroler Mountainbikemodell
Radfahren ist in ganz Österreich auf Forstwegen und auch auf den meisten Almwegen verboten. Es gibt jedoch die Möglichkeit, dass Wegerhalter ihre Wege freiwillig für das Radfahren öffnen. Diese Möglichkeit wird seit 1997 aktiv vom Land Tirol durch das Tiroler Mountainbikemodell unterstützt.
Die Eckpfeiler des Modells:
* In einem Vertrag zwischen Wegerhalter (Grundbesitzer) und Gemeinden oder Tourismusverbänden wird der Weg für das Radfahren freigegeben.
* Das Land Tirol fördert das zwischen Wegerhalter und Tourismusverband oder Gemeinde vereinbarte Entgelt mit einem jährlichen Landesbeitrag in Höhe von EUR 0,11 /lfm Weglänge.
* Das Land Tirol finanziert die tirolweit einheitliche Beschilderung der freigegebenen Routen (inkl. Schwierigkeitsgrad analog Schipisten).
* Das Land Tirol schließt eine Wegerhalter- und Betriebshaftpflichtversicherung für alle Wege ab (inkl. Rechtsschutzversicherung für Wegerhalter und Bewirtschafter).
Grundsätzlich gilt das MTB Modell Tirol nur für breite Forst- und Almwege. Jetzt können mit Zustimmung des Grundbesitzers auch Steige mit einer Wegbreite von unter 2 Meter in das Bikenetz mit aufgenommen werden. Dazu gibt`s einen eigenen Vertrag und ein höheres Entgelt!
Mehr Infos und Karten (!) auf www.tirol.gv.at

 

Die Touren
1 Höfersee und Vilstalsee
2 Krinnenalpe
3 Jungholz und Vilstal
3 Haldenrunde (Einstein)

 

 

Tag: Di, 24.10.06
Strecke: Höfersee, Tannheim, Vilsalpsee, Zöblen
Dauer/Länge/Höhenmeter: 2 Std

 

Zwei Stunden lang trocken
Der Himmel reißt auf, es hört auf zu regnen, sogar die Sonne lässt sich blicken. Gemütlich (Elisabeth will sich ja erholen!) drehen wir die erste Runde durchs Tannheimer Tal. Direkt gegenüber von Zöblen führt ein Weg 200m in die Höhe und verschafft den Nutzern einen schönen Blick ins Tannheimer Tal und auf die Felszacken von Läuferspitze, Roter Fluh und Gimpel. Bald schon geht es wieder bergab und wir kommen zum kleinen Höfersee.
Inzwischen haben sich dicke, dunkle Wolken vor den blauen Himmel und die Sonne geschoben. Wir müssen weiter. An Tannheim vorbei geht es zum Vilsapsee. Eine breite, zu dieser Jahres- und Tagezeit kaum befahrene Teerstraße führt zum See. Ein Fußweg dorthin ist für Bikes gesperrt (Wieso eigentlich? Er ist breit genug!). Wir halten uns dran. Am See: zwei Restaurants, ein Bootsverleih, vier Touristen und fünf rote Bänke. Da die Sonne fehlt, wirkt der von Bergen eng umstandene See etwas düster. Auf einem Sattel sieht man die Landsberger Hütte thronen. Eine Wanderung dort hoch lohnt sich, vielleicht machen wir sie. Wir umrunden (verbotener Weise) den See.
Wir besuchen anschließend ein paar Schafe und halten Picknick: zwei trockene Brötchen und eine Banane. Den Müll nehmen wir mit. Schließlich sind wir hier im sauberen Österreich, da darf sogar der Plastikmüll nur gespült in den Müll. Kleiner Zwischenstopp an der Pestkapelle St.Leonhart. Sie ist frisch und teuer restauriert worden. Es wird um Spenden gebeten. Der Hauptraum ist vergittert, dahinter liegen die gespendeten Münzen…
Wären zwei schwerhörige Wanderer (mehrmaliges Klingeln unsererseits) schneller aus dem Weg gegangen, wären wir nach zwei Stunden ganz trocken in unsere Unterkunft gekommen.

 

 

 

Tag: Mi, 25.10.06
Strecke: Grän, Adlerhorst, Nesselwängle, Rauth, Krinnenalpe, Haldensee, Tannheim
Dauer/Länge/Höhenmeter: 4 Std / 48 km / 900 hm (geschätzt)

 

Krinnenalpe
Das Wetter hält uns ziemlich lange hin, bis es endlich schön wird. Als wir starten, ist der Himmel noch mit grauen Wolken behangen, die sich aber nicht mehr so fest aneinander klammern wie gestern. Kalt ist es, na ja Herbst! Über einen Höhenweg gondeln wir in Richtung Haldensee. Ein tolles Panorama: die felsigen Bergrücken von Roter Fluh und Kumpels immer vor uns. An jeder zweiten Ecke steht eine frisch restaurierte Kapelle. Sehr fotogen. Die Kamera habe ich meist vor der Brust baumeln.
In Grän müssen wir einige Höhenmeter bewältigen, wir nähern uns den Felswänden der sogenannten Tannheimer Gruppe. Bald gibt es einen schönen Blick auf den Haldensee. Anschließend eine schottrige Abfahrt zum Adlerhorst, der über dem See auf der Felssrinne klebt. Wir fahren ganz runter bis Nesselwängle und nähern uns dem Höhepunkt der Tour. Er lag nicht in der Höhe an Metern, sondern es zählt die Höhe des Genusses. Wir genießen in dem kleinen Dörfchen Rauth: die Sonne, die gegen Mittag wärmend endlich durchbricht. Wir genießen eine urige Jausenstation, einen alten Berggasthof namens „Klein Meran“ mit einem indischen Wirt, der Österreichisch spricht. Wir genießen das Panorama, das Dorf vor uns mit Kapelle und die Berge im Hintergrund. Wir genießen die Pilzsuppe und das Haferl Kaffee, die auf der Terrasse auf alten Holztischen serviert werden. Vor fast zwanzig Jahren haben wir in diesem Örtchen schon einmal mit den Kindern Urlaub gemacht. Vieles erkennen wir wieder…
Von Rauth aus führt eine markierte MTB-Route zur Krinnenalpe (1560m). Ein gepflegter breiter weg bis zur ehemaligen Rauther Alpe, anschließend ein Singletrail weiter bis zur Alpe. Anfangs müssen wir schieben bis zum Johanneskreuz und dann ist ein Großteil fahrbar. Der Blick geht ins Tal oder zur von der Sonne beschienenen Tannheimer Gruppe. Unterhalb der Krinnenalpe verdrücken wir unsere Brötchen im letzten Sonneschein. Es ist zwar erst 14 Uhr, aber die hohen Berge lassen die tief stehende Sonne nicht mehr durch. Ein Schotterweg bringt uns schnell hinunter zum Haldensee und in Haller haben wir die Sonne wieder. Im Cafe am See wird der Kaffee in traditioneller österreichischer Manier mit einem Glas Wasser serviert.
Durchs Tannheimer Tal treten wir den Rückweg über sonnige Radwege an. Einge schöne Bänke waren leider von Touris besetzt – und ich durfte sie nicht verjagen …

 

 

 

Tag: Do, 26.10.06
Strecke: Grän, Bad Kissinger Hütte, Aggenstein, Füssener Jöchle, Grän
Dauer/Länge/Höhenmeter: 5 Std

 

Wanderung: Aggenstein
Von Grän/Enge aus Aufstieg zur Bad Kissinger Hütte, die direkt unterhalb des Aggenstein liegt. Bei schönem Wetter ist sie um diese Zeit noch bewirtschaftet. Und es ist schönes Wetter. Wir starten durch, um den Aggenstein, einen berühmten Aussichtsberg, zu erklimmen. Das letzte Stück verlangt Schwindelfreiheit und einige Kletterkünste. Eine Eisenkette hilft beim Klettern. Elisabeth wartet am Einstieg auf mich. Schnell hoch und schnell wieder runter. Am Gipefelkreuz ist mir zu viel Betrieb. Von Pfronten aus geht eine Seilbahn hoch und von der Bergstation ist man (leider) schnell auf dem Aggenstein …
Wir kehren zur Hütte zurück. Inzwischen herrscht bei diesem tollen Wetter hier oben viel Betrieb. Wir wandern hinüber zum Füssener Jöchle. Dort geht vom Tannheimer Tal auch eine Seilbahn hoch, entsprechend viele Leute kommen uns entgegen. Alle fünf Minuten… Das wäre nicht das Schlimmste. Viele wollen wie wir in diese schöne Region. Das Schlimme ist, dass viele Leute beim Wandern einfach nicht ihr Mundwerk geschlossen halten können. Schon von weitem hört man das Geschnatter der sportlich gestylten Fitnessschönheiten. Wer in die Berge geht, hört den Bergen zu – und sonst niemanden.
Vom Füssener Jöchle treten wir den Rückzug an. Diesmal wählen wir den Weg, den wir vor einem Jahr besser mit dem Mountainbike genommen hätten. Anfangs etwas steil und geröllhaltig, wird er bald besser und später zu einer breiten Skipiste…

 

 

 

Tag: Fr, 27.10.06
Strecke: Schattwald, Vilstalstausee, Unterjoch, Obere Sorgalpe, Jungholz, Vilstal – Schattwald, Obere Halde, Einstein, Tannheim-Berg
Dauer/Länge/Höhenmeter: 4 Std / 42 km / 800 hm (geschätzt)

 

Ins Allgäu
Die Tour hatte zwei Teile. Einen eher lockeren, raus aus dem Tannheimer Tal Richtung Flachland, Allgäu. Der zweite Teil brachte die Höhenmeter und das Panorama.

 

Teil 1: Idyllisch bis Jungholz
Zuerst geht es aus Zöblen raus, durch Schattwald zum kleinen Vils-Stausee. Über kleine geteerte Sträßchen kommen wir nach Unterjoch. Die Herbstsonne wärmt herrlich. Die Berge sind hier flacher, die Gegend gemütlicher. Ab und zu müssen wir ein paar Steigungen bewältigen. wir kommen nach Jungholz, einem Örtchen, das ganz auf den Skizirkus im Winter eingestellt ist. An jedem Hang ein Lift, in den Wald geschlagene Pisten. Jungholz ist schneesicher, verkündet die Eigenwerbung. An jeder Piste stehen nagelneue Schneekanonen herum. Ja dann! Dank einer scuhlechten Ausschilderung (zur Schrofenhütte, die dann im Ort lag!) kommen wir auch in den Genuss der Pisten. Weil wir falsch sind, müssen wir zwei davon benutzen.
Oberhalb von Jungholz führt uns unsere Route ins Vilstal. Der Weg ist ein wenig steil und rutschig. Dann geht es an der rauschenden Vils vorbei zurück nach Schattwald. Die Wege sind prima ausgeschildert!

 

Teil 2: Die Haldenrunde
Der ausgeschilderte Mountainbikeweg sollte besser „Einstein-Tour“ heißen, denn ihn hat man bei der Runde oft im Blick. Immer wieder auch schöne Ausblicke auf das Tannheimer Tal und die Berge. Das Tal kommt immer näher und ist schnell erreicht. Auf der rechten Talseite fahren wir zurück nach Zöblen.
Abends wandern wir noch hoch zum Gasthof „Zugspitzblick“. Die Gastgeberoma bestätigt, dass man bei gutem Wetter tatsächlich den höchsten deutschen Berg sehen kann.

 

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