Lechweg 1

    Fahrer/innen: mit Jörg und Alfred
    Strecke: Lechweg
    Dauer/Länge/Höhenmeter: 4:10 Std / 56 km / 800 hm?
    Wetter: 5 – 12 Grad, Dauerregen

Der Regentag
„Dess basst scho!“ meint Taxichef F., nachdem wir unsere Bikes in einen Anhänger gelegt haben. Keine Decken, keine Gurte, kein Halt. Wir stellen unsere Rucksäcke dazwischen und steigen in den VW-Bus. Ganz wohl ist uns nicht beim Gedanken an unsere Räder hinten drin. Dann geht es aber los.
Nach einer kurzen Nacht in der Jugendherberge Füssen (oder waren wir in Yokohama gelandet? So viele Japaner…) sind wir in strömendem Regen unterwegs zur Quelle des Lech. Die liegt beim Formarinsee und der liegt in Vorarlberg. 125 km Weg durch die Bergwelt von der Quelle bis zum Lechfall in Füssen liegen vor uns, der Lechweg. Ein ganz junges Produkt detuscher und österreichischer Tourismusverbände, erst in diesem Jahr ins Leben gerufen…
 
Auf 1500m werden wir an der Mautstraße zum Formarinsee in den Regen entlassen. Wir quetschen uns in ein winziges Bushaltestellenhäuschen. Lange oder kurze Regenhose? Noch etwas essen?
Die Berge ringsum sind zwar zu sehen, aber drumherum und drüber gibt es nur Grau. Aber die Stimmung ist noch lange nicht grau und so schwingen wir uns auf unsere Räder und nehmen die 10km Anstieg bis zum Formarinsee in Angriff. Kaum sitzen wir im Sattel, hört es auf zu regnen und es sind sogar zwei Zentimeter blauen Himmels zu sehen. Wir sind glücklich, atmen die gute Luft und die Berge tief ein und folgen dem nassen grauen Band, das sich in die Höhe schlängelt.
 

 
Ein paar Minuten später jagen graue Wolken über die Berge vor uns und der Regen hat uns wieder. Und er wird uns den ganzen Tag lang nicht verlassen, sondern nur noch heftiger werden.
Nach einer Stunde haben wir den kleinen Bergsee erreicht. Ein Wanderbus, tatsächlich gefüllt mit Wanderern, hat uns inzwischen überholt. Am See laufen auch einige herum. Nochmal hundert Meter höher thront die Freiburger Hütte über dem See. Die sparen wir uns dann, wegen des Wetters und unserer beschränkten zeitlichen Möglichkeiten. Wir müssen am ersten Tag etwa 60km schaffen, um am Sonntagabend nochmal in Füssen zu sein. So lassen wir denn den ersten und zweiten von den 15 Wegabschnitten aus und fahren über die Mautstraße das Tal hinunter bis nach Lech/Omesberg.
 


 
Hier steigen wir in den Trail ein. Oberhalb des Ortes führt uns der Weg in einem ständigen Auf und Ab in Richtung Tal. Vom Dorf her schallt Kuhglockengebimmel hoch. Dort war scheinbar Almabtrieb mit Viehauktion. Bald wir der Weg unwegsamer, steil, rutschig und führt hinunter zum Lech, der gut gefüllt in Richtung Tal brummt. Und dann wird´s hart: Ein Wurzeltrail führt lang uns steil in den Ort Warth hinauf. Wir schwitzen wie das Vieh im Ort vorher, die Brillen sind nicht mehr zu nutzen, der Atem pfeift, ständig rutschen wir aus, der eigentlich schöne Wald steht voller Wasserdunst.
 

 
Endlich im Dorf Warth, stellen wir uns unter, befreien uns von den schweren Rucksäcken und essen bisschen was. Vielleicht macht das warm. Trotz des strammen Anstiegs ist uns jetzt kalt, nass sind wir von innen und außen. Es ist inzwischen schon Nachmittag. Kurzes Kartenstudium und dann die Entscheidung, über die Straße abzufahren, Zeit zu gewinnen und Strecke. Das Vergnügen hält sich in Grenzen. Das Wasser spritzt meterhoch. Die beiden Fullyfahrer J und A tragen vorne keine Schmutzbleche… Alfred stellt beim Abrollen als Minischutz die Füße auf den Federgabelholm, grinst und lässt laufen.
Uns begegnet sogar noch eine Gruppe Mountainbiker, die in die entgegensetzte Richtung spritzen. Winken, lachen. In Holzgau wieder eine kleine Beratschlagung. Inzwischen sind wir durch und durch nass: vom Kopf über die Hände bis zu den Füßen. Oberhalb von Holzgau hängt die längste Fußgängerbrücke Österreichs (ca. 200m lang). Die wollten wir eigentlich mitnehmen, aber wir entscheiden uns aus greifbaren Gründen dagegen.
 

 

Noch eine halbe Stunde Regenspritzerei und wir kommen in das Örtchen Bach, wo ungefähr die Mitte der Gesamtstrecke liegt. Hotel Post? Das sieht ein wenig zu vornehm für uns aus. Vorne dran steht auch ein ganzer Pulk Einheimischer in grüngrauem Loden – für uns eher abschreckend. Gegenüber im Grünen Baum finden wir freundliche Aufnahme. Triefend stehen wir in der Eingangshalle und fragen nach Unterkunft und Trockenlegung. Kein Problem: Die Preise sind günstig, die nassen Klamotten kommen in den Trockner, die Räder in einen Flur. Nach der heißen Dusche zeigt der Blick aus dem Fenster: Es regnet immer noch in Strömen, die Berge sind wolkenverhangen. Nur seltsam: Wir fühlen uns sauwohl dabei…

 

 
Es folgen noch Fotos von A und J …

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