In Memoriam Hans-Gerd

Schon lange geplant: eine Erinnerungsseite an Hans-Gerd, der für uns ein wichtiger Mensch und Mountainbike-Guide war. Er hat uns die Gegend gezeigt und viel übers Mountainbiken beigebracht…
Im Jahr 2000 erkrankte Hans-Gerd an Krebs (Asbestose), eine Folge von jahrelangen Arbeitseinsätzen in asbesthaltigen Räumen des Kraftwerks Ensdorf. Am 29.4.2001, an einem Sonntagabend, verstarb Hans Gerd, er war 52 Jahre alt. Fassungslosigkeit und Trauer, aber auch die Zuversicht auf ein Wiedersehen bewegten uns. Hans-Gerd wird weiterhin mit uns fahren, auch wenn wir ihn nicht sehen…

Fünfzehn Jahre lang sind wir zusammen Mountainbike gefahren, der Hans Gerd Schäfer (HGS) aus Hüttersdorf und die Leute, die dann nach und nach dazu kamen. Jeden Sonntag Punkt neun Uhr, bei jedem Wetter ging es los. Wir haben ein paar gemeinsame Touren in den Alpen und dreimal das 10-Stunden-Rennen in Losheim zusammen durchgestanden – und genossen. Hans-Gerd: ein Freund und Kumpel, auf den wir uns 100% verlassen konnten, der geholfen hat, wo er konnte, am Bike und am Haus. Solche Menschen sind selten geworden. Und er war immer gut gelaunt und leistungsmäßig gut drauf. Lediglich am Bike-Swiss-Masters ist er gescheitert…

Das Buch „Über den Tod und das Leben danach“ von Kübler-Ross hat uns sehr geholfen, den Tod von Hans-Gerd zu ertragen. „Sterben ist nur ein Umziehen in ein schöneres Haus.“
„…dass der körperliche Tod des Menschen mit dem Geschehen identisch ist, wie wir es bei dem Heraustreten des Schmetterlings aus dem Kokon sehen können.“
Sobald der Kokon … irreparabel beschädigt ist, wird er den Schmetterling, also Ihre Seele freigeben.“
„Viele Menschen treten während einer Operation aus ihrem Körper heraus und schauen tatsächlich der Operation zu.“

Die Schweizer Ärztin und Wissenschaftlerin Elisabeth Kübler-Ross ist weit über die Grenzen ihres Landes hinaus bekannt und kaum ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin hat sich um die Sterbe- und Todesforschung so verdient gemacht wie sie. Ross saß an unzähligen Sterbebetten und hat viele Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Dabei kam sie zu der Überzeugung, dass der Tod nicht das letzte ist, was uns erwartet, sondern nur einen Übergang in einen neuen Bewusstseinszustand darstellt. Ein Körper, der wieder frei ist von allen Beschwerden, Verwandte, von denen der Sterbende abgeholt wird, bedingungslose Liebe, die man erlebt — viele Erzählungen Sterbender decken sich und können nicht als bloße Halluzinationen abgetan werden.

Da Mountainbiken unser Leben ist (zumindest einen großen Teil unserer Zeit und unseres Denkens in Anspruch nimmt) – und Hans-Gerd all die Jahre uns in dieser Zeit begleitet hat, fällt uns die Erinnerung an gemeinsame Unternehmungen sehr leicht. Fast überall, wo wir hinkommen, waren wir irgendwann schon einmal zusammen gewesen. Die besonders starken Erlebnisse und Erinnerungen, die auch im Mountainbiketagebuch nachzulesen sind, sollen auch hier ihren Platz finden.

    Der schwarze Tag
    Tag: So, 29.04.01
    Strecke: Oppener Kuppe, Rimlingen, Stausee Losheim
    Dauer/Länge: 3 Std MTB plus 1 Std Laufen
    Fahrer/innen: mit Uwe
    Es war so ziemlich die schlammigste Tour in diesem Jahr. Bei mir ständig Kettenklemmer wegen Dreck, bei Uwe waren die Klickpedale so zugesetzt, dass er, wenn´s nötig wurde, nicht aus den Dingern herauskam, mit den bekannten Folgen. Und dann wurde dieser Tag zum schwärzesten bisher…

    Erinnerung an die erste gemeinsame Tour
    Tag: So, 02.09.01
    Strecke: zum CTF Schwarzenholz hin/zurück
    Fahrer/innen: große Besetzung: alle Martinis und Klaus = 7
    Trotz Windstopper und Langarmtrikots brauchen schlottern uns ziemlich lange die Bikeglieder, denn das Thermometer zeigte Temperaturen unter 10 Grad an. Erst als wir den Hoxberg rauf fahren, wird uns so langsam warm. Durchs Saarwellinger Tiergehege kommen wir zur Saarwaldvereinshütte auf der anderen Straßenseite.
    Als wir dran vorbeifahren, erinnern wir uns: Hier führte uns Hans-Gerd vor vielen Jahren auf unserer ersten gemeinsamen MTB-Tour hin. Ohne Kondition, schlecht vorbereitet und deshalb halb verdurstet kamen wir dort an. Wir hatten nichts zu trinken dabei, auch kein Geld. Gottseidank hatte die Hütte geöffnet und Hans-Gerd lud uns zum Sprudel ein. Auf der Tour haben wir ne Menge gelernt. Was wirst du damals über uns gedacht haben, über den „langhoorische Bombeleja“ und seine zwei Söhnchen?

    Das weiße Holzpferd
    Tag: Sa, 29.09.01
    Fahrer/innen: Norbert nach St. Wendel 45 km
    Benjamin und Jonas Halbmarathon
    Bei der Hinfahrt fällt mir in Berschweiler das weiße Holzpferd wieder auf, das dort vor einem alten Haus steht, inzwischen schon etwas verwittert. Das steht schon viele Jahre dort. Und all die Jahre, als wir auch mit Hans-Gerd zu den verschiedenen Veranstaltungen nach St. Wendel gefahren sind, haben wir uns über das Pferd im Hof gefreut und unsere Witzchen gemacht.

    Die Bike-Freaks
    Tag: So, 07.10.01
    Strecke: CTF Bikefreaks Lebach
    Dauer/Länge: 3 Std / 45 km
    Fahrer/innen: Mit Elisabeth und Uwe
    Hans-Gerd als Kontrollstation (CTF Bikefreaks Lebach)
    Als wir vor zwei Jahren das letzte Mal bei den Bikefreaks mitfuhren (Uwe war letztes Jahr auch mit), da erwartete uns an dieser ersten Kontrollstation ein alt bekanntes Wohnmobil und Hans-Gerd verteilte süßen Tee und andere leckere Sachen an die Biker/innen. Eigentlich wäre er ja viel lieber gefahren, das Stehen und Warten war nicht unbedingt seins. Aber als treues und verlässliches Mitglied seines Vereins hat er diesen Job auch gut gemacht. CTFs sind wir ja dann wirklich noch genug gefahren.

    Klaus als Hans-Gerd
    Tag: So, 01.12.02
    Strecke: Bardenbach, Dagstuhl, Eulenkreuz, Buweiler, Wedern
    Dauer/Länge: 3 Std / 45 km
    Fahrer/innen: mit Klaus und Uwe
    Hans Gerd fährt vor
    Ein paar Mal musste Klaus etwas mehr Gas geben als die beiden anderen. Da fuhr er dann so ein paar hundert Meter vor uns her, besonders die Berge hoch. Das hat uns wiedermal an Hans-Gerd erinnert. Der hatte das auch immer gut drauf und ab und zu übernimmt Klaus die Rolle. Das ist auch gut so, weil dann der HG auch wieder dabei ist.

    Litermont mit Hans-Gerd
    Tag: So, 16.11.03
    Strecke: Litermont
    Fahrer/innen: mit Jonas, Benjamin, Klaus, Uwe, Andrea und Elisabeth
    Jetzt hat es uns endlich erreicht, das schöne Novemberwetter. Gerade als wir losfahren, setzt der Regen ein. Brr. Nicht übermäßig heftig, so dass wir es gute zwei Stunden aushalten. Im Hochwald sieht es sehr grau aus, schlagen wir heute also die andere Richtung ein: Litermont. Für sonntags ziemlich ungewöhnlich, aber Rösser und ReiterInnen machen mit.
    Beim Aufstieg zum Litermont erinnert sich Elisabeth an Hans Gerd. Bei ihrer ersten Litermont-Tour war er damals dabei.

    HGS feiert Geburtstag
    Tag: So, 11.03.07
    Fahrer/innen: mit Benjamin, Andrea, Elisabeth, Uwe, Klaus, Sebastian und Tino
    Strecke: Scheiden, Waldhölzbach, Rappweiler, Weierweiler, Münchweiler
    Dauer/Länge/Höhenmeter: 2,5 Std
    Wetter: 14 Grad, Sonne
    Jeder genießt den schönen Sonntagmorgen auf seine Art: Klaus pfeift vor sich hin, Uwe schnabbelt, Elisabeth hört zu und stellt Diagnosen, Tino ist einfach wieder dabei, Sebastian denkt an seine neue Tochter, Andrea hört mit, Benjamin fachsimpelt und Norbert denkt ans nächste Foto…
    So erreichen wir ohne große Mühe das hoch gelegene Dorf Scheiden. Auf dem Weg am Waldrand vorbei bleiben wir ab und zu etwas kleben, aber der Blick auf den Hochwald zieht uns wieder weiter. Der Sonntagsverein lässt sich an und auf den Panoramabänken nieder – und will überhaupt nicht mehr weg. Zu schön scheint die Sonne, zu weit kann man ins Land schauen, zu irre sind die Dialoge (Was macht eigentlich der Sowieso aus Hüttersdorf? Sind die nicht ausgewandert? Oh leck! Klaus: Jo, noh Dillinge). Anlass für dieses Gespräch war ein kurzes Gedenken an Hans-Gerd Schäfer, unseren ersten Mountainbikeguide, der wohl auch im Himmel seinen Geburtstag mit einer Mountainbiketour gefeiert hat.

    Nochmal die Hütte
    Tag: So, 4.02.08
    Die folgende halbe Stunde führt uns Jonas über die Wellinger Trails, die hin und wieder voller Wasser standen. An der kleinen Hütte gegenüber des Tiergeheges erzähle ich kurz von unserer allerersten Tour mit Hans Gerd. Das könnte bald zwanzig Jahre her sein. Wir waren neu in der Gegend und HGS wurde uns als Mountainbikeguide empfohlen. Nach einem Telefongespräch trafen wir uns in Hütterdorf und machten unsere erste größere Tour. Als blutige Anfänger hatten wir noch nicht einmal etwas zu trinken und auch kein Geld dabei. An der beschriebenen Hütte hat uns Hans-Gerd dann einen ausgegeben. Wir gehen davon aus, das HGS zumindest bei unseren sonntäglichen Touren immer noch mitfährt. Damals haben wir nämlich mit diesem “Unsinn” begonnen.

Eine Antwort auf „In Memoriam Hans-Gerd“

  1. Der Hans-Gerd. Der bleibt mir auch immer in Erinnerung. Was habe ich mir zu bikefreaks Zeiten beim Nacht-Biken immer mit ihm am Berg Gefechte geliefert. Hans-Gerd hatte richtig Biss und war ein angenehmer Sportsmann und Mensch. Schön dass ihm diese Webseite gewidmet ist.
    Grüße
    Hans

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