Nepal 2014: Ein typischer Tag (2)

Zuerst fahren wir durch den gesamten Ort, denn die Lodge lag am Ortseingang. Es ist wie Spießrutenlaufen und ein bisschen Slalomfahren, denn überall vor den anderen Lodges stehen Träger und Touristen, die auf das Kommando zum Abmarsch warten. Mit Mountainbikern rechnen sie nicht und wir müssen rufen und klingeln, um an ihnen vorbei zu kommen. Nicht immer werden wir freundlich angeschaut. Aber das verdirbt uns nicht die Laune, die Sonne scheint und wir sitzen auf dem Rad…

9.00 Uhr. Eine kurze Pause gönnen wir uns bei einem Wasserfall, der 200 Meter in die Tiefe stürzt. Ein schöner Anblick. Natürlich steht an dieser Stelle ein Teehaus, das sich in Nepal üblicherweise „Restaurant“ nennt. Es ist eine einfache, offene Hütte mit einem rostigen Blechdach. Aber wir schauen und fotografieren nur…

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9.20 Uhr. Wir erreichen Chyamche. Dort wechselt die Trekkingroute auf die andere Seite des Gebirgsbaches. Wir wollen uns den Trail ansehen. Zuerst geht es Steinstufen hinunter, schiebend, viele Stufen, bald können wir den Trail jedoch fahren… Nach zehn Minuten stehen wir vor einer Hängebrücke aus Stahlseilen. Sie sieht stabil aus. Wir fahren auf die andere Seite, wir laufen über das schwankende Teil, wir fotografieren, machen Pause und schauen zu, wie der Wanderbetrieb zunimmt. Unterhalb der Brücke hockt auf einem dicken, runden Felsbrocken ein Affe. Das Wasser schäumt gewaltig. Nach einer großen Trekkinggruppe folgt eine mindestens 20-köpfige Maultierkarawane und schleicht den Trekkingpfad hinter der Brücke hoch. Ich habe mich nicht rechtzeitig von der Brücke herunter gemacht und bleibe mittendrauf stehen und denke, dass wohl genug Platz ist. Doch die voll gepackten Tiere nehmen die gesamte Breite der Brücke ein und ich bekomme von einem Tier einen unsanften Stoß und kann mich gerade noch am Geländer der Brücke fest halten. Das war knapp. Die anderen Tiere sind nicht so voll bepackt…

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Der Trekkingpfad läuft steil an der Bergflanke hoch, mindestens 40 Personen und Tiere reihen sich den Weg entlang auf. Wir beraten uns und beschließen, auf den Trail zu verzichten und zurück zur Straße zu gehen, um dort weiter zu fahren. Denn an fahren wäre auf der anderen Seite des Marsyandi nicht zu denken. Wir müssten vielleicht zwei Stunden lang unsere Bikes hinter der Karawane her schieben bzw. wie wir aus unserem schlauen Buch wissen – tragen.
Was das bedeutet hätte, können wir dann beim Aufstieg nach Chamje erfahren. Nach einer Viertelstunde Tragen sind wir ziemlich kaputt. Die Straße ist zwar wie üblich voller Schlaglöcher, aber wir kommen zumindest schiebend und fahrend voran.

Wir sind nun fast allein unterwegs, der Straße folgen nur noch wenige Wanderer, meist Träger, die sich den steilen Anstieg verständlicherweise sparen, oder Einheimische, die Material transportieren. Die Sonne scheint uns inzwischen voll auf den Rücken – Zeit, unser Solarpanel auf den Rucksack zu schnallen. Wer weiß schon, wann es das nächste Mal eine Steckdose gibt… Der Weg verläuft oberhalb des Marsyandi, das Tal wird immer enger, der Weg immer felsiger. Hin und wieder müssen wir schieben. Unsere Gruppe zieht sich manchmal etwas auseinander. Mal bleibt Jörg stehen, schaut oder fotografiert, mal Lukas oder ich selber. Hari macht inzwischen das Schlusslicht und ist auch froh über die häufigen Pausen.

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Immer wieder müssen wir links vom Berg herunter stürzende Bäche durchfahren, meist läuft das Wasser flach über den Weg. Sind Wanderer in der Nähe, bleiben sie respektvoll oder interesssiert stehen und schauen uns beim Durchqueren zu.

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10.15 Uhr. Abends in Jagat haben wir von Trekkern, die von oben zurück kamen, meist wegen des Schnees in Manang umgekehrt sind, dass wir einen Erdrutsch passieren müssen. Aber wir würden das mit euren Rädern auch schaffen.
So konnten wir die Stelle am Hang bald ausmachen. Noch eine Bachdurchquerung, noch eine Kurve hochschieben und wir stehen im „Stau“. Einige Jeeps stehen auf der Straße, Leute wuseln herum, ent- oder beladen die Fahrzeuge. Auf der anderen Seite des Erdrutsches wird es das selbe Bild geben. Die Waren und Menschen müssen umgeladen werden, um bergauf oder bergab weiter transportiert werden zu können. Am Wegrand stehen Haufen von Waren, ein Feuerchen schwelt. Wir reihen uns in die Warteschlange ein, die an der Stelle entstanden ist, wo eine Trittspur einen neuen Übergang markiert. Die Spur führt einen sandigen Hang steil hinunter und nach hundert Metern steil über mannshohe Felsbrocken wieder hoch zur Straße zurück. Abrutschen wäre nicht so lustig. Zweihundert Meter unten glitzert der Marsyandi. Zum Teil tragen wir die Bikes selber, an den steilen Stellen helfen uns die Guides oder auch Einheimische. Bei Regen oder Schnee hätten wir hier ein großes Problem gehabt…

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Als alle glücklich auf der anderen Seite angekommen sind, können wir erst den Blick zurück ins Tal genießen. Hier stehen nicht so viele Jeeps… Als wir eine Woche später diesen Erdrutsch wieder passieren müssen, hat sich hier nicht viel geändert. Die Mühlen in Nepal mahlen scheinbar sehr langsam. Wie lange wird es wohl dauern, bis der Weg frei geräumt ist? Der Erdrutsch passierte immerhin schon im Frühjahr…

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11.00 Uhr. Teepause. In einem „Restaurant“. Auch hier steht nur eine einfache Blechhütte mit einem überdachten Sitzplatz und einem Anbau mit kleiner Küche. Aber es gibt einen tollen Ausblick ins Tal auf das Dorf, das ebenfalls „Tal“ heißt. Wir sind froh um die Pause. Es ist inzwischen richtig warm geworden, wir schwitzen, der Rucksack drückt. Tensing und Hari marschieren sofort in die kleine Küche und begrüßen die zwei Frauen, die dort arbeiten. Was wir zu trinken wünschen? Saft, schwarzen Kaffee.
Lukas kümmert sich aber zuerst um die Blase an seinem Fuß,auch ich ziehe die Schuhe aus und massiere die Füße. Gottseidank weht ein leichter Wind und es gibt keine Geruchsbelästigungen. Jörg kramt in seinem Rucksack und fördert einen gelben Gummiball zutage. Zum „Inventar“ des Teehauses gehört auch ein kleiner Junge, der den Ball gern als Geschenk in Empfang nimmt – und ihn fast schon in den Abgrund rollen lässt…

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12.30 Uhr. Auf einem großen Felsblock, der am Wegrand steht, ist mit weißer Farbe ein Willkommengruß aufgemalt: Welcome in Dharapani. Hundert Meter weiter lockt ein blaues Schild den Reisenden, besonders die Deutschen: German Bakery. Wir haben unser Tagesziel erreicht…

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Als wir durch den Ort rollen, hören wir Musik. Aha, schon wieder ein Fest bzw. immer noch dasselbe. Schon in Jagat wurde gefeiert. Irgendein hinduistischer Feiertag. Davon gäbe es eine ganze Menge, meinte Tensing. In Jagat herrschte dann morgens gegen 1 Uhr erst Ruhe. Und jetzt schon wieder ein Fest. Doch Tensing, der auch den Klängen lauscht, hält es für eine Totenfeier. Noch sehen wir nichts und erreichen bald unsere Herberge, diesmal am Ortsausgang gelegen: das „Peacefull Guesthouse“.

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