Biken und Meditieren

Jetzt ist er völlig übergeschnappt, werden einige denken: Meditieren auf dem Bike? Wohl mit geschlossenen Augen und Mantras murmelnd durch den Lückner. Na, dann den Kollegen viel Spaß beim Einsammeln der abgestürzten Teile…
Es geht aber auch so, wie das folgende kleine Video zeigt:

Vielleicht könnte die Meditationspause auch etwas länger dauern :-) Also: Bezüge zwischen Biken und Meditieren gibt es schon…
Wer die Welt und das Leben eher ganzheitlich sieht, entdeckt ständig Zusammenhänge. Alles greift ineinander. Und wer sich mit Buddhismus beschäftigt – was seit unserem Nepaltrip ein Thema ist – liest viel von diesen Wirkungszusammenhängen, unter anderem vom berühmten Karma. Auch das Mountainbiken als Sport und Einstellung steht in vielen Zusammenhängen.

Schon oft auf nmbiking angesprochen sind die Zusammenhänge zwischen:

    Mountainbiken und Ernährung
    Mountainbiken und Fitness
    Mountainbiken und Gesundheit
    Mountainbiken und Mondphasen
    Mountainbiken und Umwelt
    Mountainbiken und Natur
    Mountainbiken und Kultur
    Mountainbiken und Menschen
    Mountainbiken und Tai Chi
    Mountainbiken und Fotografieren

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Seit unserem Nepaltrip ist auch Meditieren ein Thema. Tai Chi und Qi Gong gehören schon seit Jahren zum „Lebensprogramm“. Gibt es aber auch sinnvolle, nachvollziehbare Zusammenhänge zwischen Mountainbiken und Meditieren?

Zwei Ansätze sind denkbar:
1 Mountainbiken und Meditieren. Das geht so: Man bikt durch die Gegend. Ist man allein, kann man gut eine Meditationspause einlegen. Ein schöner Platz, eine schöne Aussicht kann dazu einladen. Vielleicht sollte die Meditation etwas länger dauern als in dem folgenden Filmchen…

2 Mountainbiken ist Meditieren. Da kann man drüber nachdenken und – wer will – diskutieren. Auf jeden Fall gibt es einige Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten. Siehe auch die Links und Gedanken am Ende des Artikels!


Doch was ist eigentlich Meditieren? Eine kurze Antwort ist sehr schwierig. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt auf tausend Definitionen und Methoden von Meditation.

Meditationstechniken werden als Hilfsmittel verstanden, einen vom Alltagsbewusstsein unterschiedenen Bewusstseinszustand zu üben, in dem das gegenwärtige Erleben im Vordergrund steht, frei von gewohntem Denken, vor allem von Bewertungen und von der subjektiven Bedeutung der Vergangenheit (Erinnerungen) und der Zukunft (Pläne, Ängste usw.). Verschiedene Meditationstechniken sollen helfen, einen Bewusstseinszustand zu erreichen, in dem äußerst klares, hellwaches Gewahrsein und tiefste Entspannung gleichzeitig möglich sind. (nach Wikipedia)

Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt. — Krishnamurti (indischer Philosoph)

Immer noch halten viele Menschen die Meditation für eine nur religiöse Praxis, mit der sich vor allem rot gewandete Mönche im Himalaja beschäftigen. Tatsächlich ist sie eine psychische Technik, mit der prinzipiell jeder Mensch seinen Geist und die Gesundheit beeinflussen kann.
Die Frage ist nicht mehr, ob Meditation einen Effekt hat – sondern welchen? Dass Meditation Spuren im Gehirn hinterlässt, ist mittlerweile gut belegt.(www.sueddeutsche.de)

Mountainbiken als Meditation?
Da gibt es im Vergleich mit den bekannten Techniken einige Gemeinsamkeiten. Man nehme die sog. Geh-Meditation. Jeder einzelne Schritt wird bewusst vollzogen, gespürt, reflektiert. Warum also nicht Gleiches tun beim sog. runden Tritt auf dem Rad?
Bei der Sitz-Meditation nehme ich den Vorgang des Atmens bewusst wahr und konzentriere mich darauf. Warum nicht auch beim Biken?
Die Gedanken, die ständig auf einen einstürmen, sollen während der Meditation zwar wahrgenommen, aber nicht verfolgt werden. Man konzentriert sich auf den Augenblick. Kann das nicht auch beim Radfahren funktionieren? Das kann natürlich nicht funktionieren auf anspruchsvollen Trails, die meine Aufmerksamkeit in anderer Weise beanspruchen. Aber bei einfachen, flowigen Trails haben wir alle doch schon die Erfahrung gemacht, dass wir voll und ganz in diesem Zustand schweben und so etwas wie Glück verspüren… Ist das Meditation?

Glück und Achtsamkeit sind zwei wichtige Begriffe beim Meditieren allgemein und im Buddhismus im Besonderen: Glück als Ziel von Meditation, die Achtsamkeit als wichtiger Weg dorthin.
Aus buddhistischer Sicht kann man Glück im Sinne eines dauerhaften Wohlergehens nicht oder nur bedingt dadurch erlangen, dass man auf materielle Dinge Wert legt. Glück muss von innen heraus entwickelt und geschult werden. Glück durch Mitgefühl, Güte, Geduld… Glück als ein Zustand innerer Ausgeglichenheit.
Bei der Methode der Achtsamkeit werden die normalerweise automatisch ablaufenden Funktionen wie etwa Atmen, Gehen und Stehen aufmerksam betrachtet und bewusst gemacht. Man „beobachtet“ auch alle Geräusche und Empfindungen und damit auch sich selbst. So soll eine schmerz- und stressfreie innere Stille erzielt werden. Achtsamkeit ist demnach mehr als Konzentration. Kann man beim Mountainbiken achtsam sein?

Man möge mir die laienhafte Darstellung und die eventuellen Ungenauigkeiten verzeihen, aller Anfang ist schwer, besonders bei spirituellen Dingen. Einiges wird noch ausprobiert werden, dann gibt es die Rückmeldungen…

Im Netz finden sich zudem einige interessante Seiten zum Thema „Meditieren und Biken“, besonders die Menschen auf der anderen Seite des Großen Teiches sind empfänglich für dieses Thema. Einige Beispiele (meist im Original, der letzte Text ist eine Übersetzung von Google, die lässt sich aber auch nicht viel besser lesen):

Cycling As Meditation?

whatmeditationreallyis

bicyclemeditations

Meditation and Bicycles


Ausprobiert: Biken als Meditation

Meditation ist nicht nur zur Vorweihnachtszeit ein Thema, sondern eigentlich immer ein aktuelles. Denn es hat ja etwas mit einem selber zu tun. Meditation ist schon länger ein Thema, jetzt gehört es auch zum festen Yogaprogramm.
Bei dieser kleinen Lücknerrunde ist mir noch einmal bewusst geworden, wie sehr das Biken im Wald Meditation sein kann. Einiges ist zugegebenermaßen anders. Man sitzt nicht auf einem Kissen, sondern auf einem harten Sattel (Speedneedle). Man sitzt nicht aufrecht mit gerader Wirbelsäule, sondern eher mit krummem Rücken. Man sitzt nicht ruhig, sondern bewegt zumindest die Beine…

Doch das hindert eigentlich nicht daran, das Wesentliche bei der Meditation zu tun, nämlich frei im Kopf zu werden. Jeder kennt das: Ständig jagen einem Gedanken durch den Kopf, unangenehme, auch angenehme, ungelöste Probleme tauchen auf, Ärger kommt hoch… Meditation kann ein Weg und eine Methode sein, diese meist ja ungewünschten Gedanken los zu werden oder zumindest zu steuern. Der Trick, dies zu schaffen, hört sich einfach an, ist aber nur mit viel Übung zu schaffen: Lasse die Gedanken ziehen, beobachte sie, gehe nicht auf sie ein! Dabei hilft es, sich auf seinen Atem zu konzentrieren und ihm alle Aufmerksamkeit zu schenken.

[plain]Das genau kann man beim Radfahren auch üben. Atmen muss man sowieso, also kann ich ihn auch beobachten und sogar vertiefen, was im Wald sehr gut tut. Kommt jetzt ein Gedanke vorbei, denke ich: Ei, Hallo, kein Bedarf, zieh weiter! Und zurück zum Atem bzw. zum Treten, denn das ist auch eine gleichmäßige und deshalb hilfreiche Bewegung, um vom Denken weg zu kommen…[/plain]

Ein großer Vorteil dieser Art von Meditation: Man hält sie länger durch als die im Sitzen. Eine halbe Stunde ist gar kein Problem, beim Sitzen schon. Diese Art von Meditation verstärkt auch die so wichtige Achtsamkeit. Was dazu führt, dass man so viele „kleine“ Dinge am Wegrand sieht und anhält – was die Meditation natürlich unterbricht. Aber die kann man jederzeit wieder aufnehmen. In diesem Sinne vielleicht mal: Gute Fahrt!

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