Nepal 2014: Fazit 3

Lukas: Mein Fazit

Über Nepal mit all seinen Facetten wurde schon viel geschrieben, gezeigt und gesagt. Die Menschen, das Land, die Natur, die Kilometer, die Höhenmeter haben bei uns bleibende Eindrücke hinterlassen und immer wieder wandern die Gedanken an das Erlebte zurück.
Also was in einem Fazit schreiben, wenn schon alles gesagt wurde. Daher versuche ich ein bisschen wiederzugeben, was ich so alles gefühlt habe in diesen wahnsinnigen drei Wochen.

Kathmandu
Das Ankommen spät in der Nacht und der erste Tag in Kathmandu haben mich ziemlich überrumpelt. So viele Eindrücke sind da auf einen eingeprasselt, dass es schwer war, alles zu verarbeiten. Die Stadt ist wie ein Ameisenhügel. Soviel war hier zu sehen, dass man gar nicht wusste, wohin man schauen sollte. All die Menschen, die ihrem täglichen Leben nachgingen, ihre Häuser, die Geschäfte und die vielen Autos, Motorräder und sonstigen Vehikel. Und wenn man dann ausgestiegen ist, wurde es noch erdrückender. Oft wurden wir direkt von Straßenverkäufer oder Bettler bestürmt. Am Anfang hatte ich oft ein schlechtes Gewissen sie abzulehnen. An den Tempeln angekommen, war ich auch ziemlich überwältigt. Besonders am Affentempel herrschte eine ziemlich beeindruckende Stimmung. Es war unser erster Tempel. Hier gab es die Affen, viel Rauch und viele Menschen. Alle waren entspannt und freundlich. Auch in Erinnerung blieb mir der Blick über das Kathmandutal. Die Stadt lag leicht im Dunst unter uns. Als wir dann am Schluss unseres Trips wieder in Kathmandu waren, fiel es mir doch leichter in der Stadt. Wir haben auf Spaziergängen unser Viertel erkundet und viele tolle Plätze entdeckt. Gerade in den ruhigen Ecken oder abends konnte ich dann die Stadt eher genießen als am ersten Tag.

Auf dem Rad
Die ersten Meter auf dem Rad waren mit die schönsten. Dafür sind wir diesen langen Weg angetreten. Eine wohlige Euphorie hat einen eingenommen, und es wurde mit jedem Tag mehr. Jeder Kilometer, der uns näher an die 8000er gebracht hat, wurde genossen. Die Zeit verflog nur so auf dem Rad. Immer wieder gab es etwas Neues zu entdecken. Und wenn man dann mal die Spitzen der Berge am Horizont aufgetaucht sind, war man noch mehr motiviert. Im Hochgebirge über 3000m war es dann überwältigend. Links und rechts wurden wir von 6, 7 oder 8000er begleitet. Da ist man schon so hoch wie nie und neben dir sind Berge, die doppelt so hoch sind. Das war schon unglaublich. In diesem Tal hätte ruhig die Zeit stehen bleiben können. Wir sind dort auch recht langsam gefahren, der Blick war nämlich kaum auf dem Weg sondern immer links und rechts nach oben gewandert. Ich weiß noch, dass wir einmal angehalten haben und ehrfürchtig da gestanden haben. Man hat nichts gehört außer dem Wind. Da hätten wir gerne noch ein Weilchen bleiben können.

4000 Meter über dem Meer
Die Fahrt hoch auf 4000 Meter war natürlich das Highlight. So hoch hinaus zu biken war einfach genial. Schon ab 3000m hat man gemerkt, dass die Luft knapper wurde. Hier hoch zu fahren, war es dann aber nicht so schlimm, wie erwartet. Die Euphorie hat die Luftknappheit wieder wettgemacht. Umso höher wir kamen, umso näher kamen die Berge um uns herum. So ein Panorama…
Als wir dann kurz vor den 4000m waren, musste ich noch ein wenig mit Tensing klettern, damit mein Garmin auf 4000m umspringt, bei Jörgi war es schon umgesprungen. Schon ne tolle Sache, dass man mit dem Fahrrad so weit hochkommen kann. Und wenn man sich vorstellt, dass wir eigentlich ja noch weiter hoch gefahren wären…
Die Abfahrt runter war dann dementsprechend. Super Trail und Hammer Ausblick. Eine sehr gefährliche Mischung, wie man sich vorstellen kann. Besonders schön war es dann, dass wir bei einem Gasthaus aufs Dach konnten und dort unsere heiße Zitrone oder Kaffee trinken durften. Da hattest du die 7000 und 8000er direkt vor der Nase.

Begegnungen
In Nepal gab es viele Begegnungen von denen man berichten kann. Als erstes möchte ich aber von Tensing und Hari erzählen. Mit ihnen waren wir ja tagtäglich auf dem Rad unterwegs. Sowas verbindet ja schon sehr. Es gab immer wieder kurze Gespräche, die im weiteren Verlauf immer länger und tiefer wurden. Man erlebte die beiden nie schlecht gelaunt, kein Wunder bei der Gegend, und immer freundlich. Besonders in Erinnerung geblieben sind die Abende, wenn wir uns getroffen haben und die nächste Etappe besprochen oder über das Leben in Nepal uns ausgetauscht haben. Das die beiden so offen zu uns waren, hat das ganze noch besonderer gemacht als es eh schon war. Wenn man daran zurück denkt, bringt das schnell ein Lächeln aufs Gesicht. Das waren schon lustige Jungs, unsere Freunde aus Nepal.
Die Begegnungen mit anderen Reisenden hingegen waren da eher schon gemischt. Besonders auf den ersten Etappen fiel uns auf, dass wir von entgegenkommenden Reisenden kaum angeguckt, geschweige denn gegrüßt wurden, obwohl wir immer gut gelaunt Namaste oder Hello riefen. Das war schon seltsam. Ich dachte immer, wenn die hier sind, müssten die doch genauso überwältigt und gut drauf sein wie wir. Aber manche schauten eher weg als uns an. Das war irgendwie schon seltsam. Da grüßten die nepalesischen Reisenden viel freundlicher und feuerten uns bei besonders steilen Stellen auch mal an.
Natürlich waren nicht alle so. Einige Reisenden trafen wir ja immer wieder, mit denen wir dann auch mal ein Schwätzchen halten konnten. Einen Engländer mit dem wir uns, besonders Papa, gut verstanden haben, trafen wir sogar am Flughafen in Kathmandu kurz vorm Rückflug. Das war dann schon schön zu sehen, dass es ihm gut ging und er, wie wir, ein tolles Erlebnis hinter sich hatte.

Unsere Träger
Ja, unsere Träger, das war so eine Sache. Mir war schon im Vorfeld sehr unwohl dabei, dass wir zwei Träger haben, die unser Gepäck tragen. Das wurde auch in Nepal nicht besser. Die Jungs waren super nett und verrichteten ihre Arbeit ohne zu murren. Wenn ich sie morgens beim „Beladen“ sah, hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen. So wurde dann auch mein Rucksack Tag für Tag schwerer. Half ihnen zwar wenig, aber ich konnte nicht anders.
An einem Abend haben wir mit ihnen auch mal darüber reden können, was sie da leisten und wie es für uns ist. Für sie war es ihr Lebensunterhalt und kannten es ja auch nicht anders. Sie waren froh, um die Chance etwas für ihre Familien zu verdienen, Furingi hatte ja sogar schon zwei Kinder. Sie erzählten von anderen Touren, wo sie schon viel mehr tragen mussten. Tensing hatte als Träger angefangen und mal 90kg geschleppt. Unvorstellbar für uns.
Leider konnten Furingi und Puri nicht gut Englisch, sodass viele Fragen unbeantwortet blieben und man sich auf Mimik und Gestik beschränkte. Trotzdem hatte man ein freundschaftliches Verhältnis und die Jungs hatten schnell Spitznamen für uns.

Um alles zu beschreiben, was da einen bewegt, ist der Rahmen auf NMBiking zu klein. Daher nur ein kleiner Ausschnitt mit meinen Ausführungen zu bestimmten Themen. Aufgrund der Arbeit und alltäglichen Problemen konnte ich die Reise im Nachgang nicht so genießen, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber es gibt immer wieder Abende, wo ich mir ein paar Bilder oder Videos anschaue und an all die Momente denke, die wir da erleben durften. Das ist immer noch der Wahnsinn…

Fazit von JörgFazit von Norbert

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