Radwegekonzept für Lebach

Motto: Es war einmal…
Der Vernunft und dem Spaß eine Chance
Wie das Projekt entstand und Wie es (nicht) vorankommt

Anfang der 90er Jahre gab es in Lebach den Versuch, ein Radwegekonzept für die Stadt zu entwickeln und durchzusetzen. Lebach war damals schon eine sog. Schulstadt und Tausende von Schülern waren jeden Tag hier unterwegs, zum Teil auch mit dem Fahrrad. Ein Rückblick, eine Erinnerung:

Die Schülerzeitung CONTAINER der Realschule Lebach (heute Theeltal-Schule) berichtet:

Der Stadtrat Lebach hat die Verwaltung damit beauftragt, ein neues Radwegekonzept zu erstellen. Da die Planung nicht nur einseitig von der Verwaltung erstellt werden sollte, wurde der Workshop „Radwege“ ins Leben gerufen, an dem Schüler der Nikolaus- Groß- Schule sowie Schüler unserer Schule beteiligt waren. Mit dabei von uns waren Verena Schmitt, 10b, Joachim Grass, 10c und Michael Söther, 10b und Herr Martini.
In den letzten Monaten traf sich unsere Projektgruppe mehrmals nach der Schule, um im Raum Lebach alle vorhandenen und nicht vorhandenen Radwege abzufahren und anschließend ein paar Verbesserungsvorschläge zu machen.
Doch bevor es losging, wurde jedesmal gut zu Mittag gegessen (einmal z.B. Spaghetti, ein andermal kalte Vollkornplatte) und besprochen, was wir alles noch vorhatten. Damit wir nicht nur Vorschläge machten, die sich später nicht realisieren ließen, fuhren wir im Mai nach Saarbrücken. Dort nahmen wir an einer Fachtagung des Umweltministeriums teil, bei der viele interessante Möglichkeiten zum Ausbau des Radwegenetzes vorgestellt wurden.

Nach mehreren Treffen waren wir so weit, ein paar gute Vorschläge in das Konzept einzubringen. Dieses Konzept wurde dann von Herrn Th. vom Umweltamt der Stadt schriftlich ausgearbeitet. Nach einer abschließenden Besprechung wird das Konzept noch vor den Ferien im Verkehrsausschuss der Stadt Lebach vorgestellt. Wir werden in dieser Sitzung dabei sein und mitverfolgen, wie die Parteien damit umgehen. Wir hoffen, dass sich einige unserer Wünsche realisieren lassen und die Glückwünsche unseres Umweltministers Jo Leinen, den wir in Saarbrücken getroffen hatten, etwas helfen.
Viele der von uns vorgeschlagenen Maßnahmen sind nämlich Sache des Landes und können von der Stadt Lebach nur beantragt werden. Lediglich für Straßen innerhalb der Stadt, die keine Bundesstraßen sind, lässt sich hoffentlich direkt was verbessern. Wir hoffen, das der Stadtrat noch in diesem Sommer unserem Konzept zustimmt.

Aber warum brauchen wir Radverkehrsförderung?

Hier einige bemerkenswerte Daten, die wir aus Saarbrücken von der Fachtagung mitgebracht haben:

*Im Saarland werden täglich ca. 2,5 Millionen km Kurzstrecken im Auto zurückgelegt.

*Über 50% aller gefahrenen Autokilometer werden auf Kurzstrecken unter 5 km zurückgelegt.

*Dabei wird pro gefahrenem Meter bis zu 16 Kubikmeter Atemluft völlig legal verseucht.
Bei diesen kurzen Distanzen wirkt nach neuesten Erkenntnissen noch kein Katalysator.

Dass das nicht gutgehen kann, wissen oder ahnen wir alle. Die ersten Vorboten kennen wir alle: Treibhauseffekt, Waldsterben, Ozonloch, um nur die schlimmsten Auswirkungen zu nennen. Mit täglicher Gedankenlosigkeit sind wir alle massiv an der Vernichtung unserer Existenzgrundlagen beteiligt. Und dies betrifft euch alle, jeden von uns, der das Auto gedankenlos für kurze Strecken oder in der Freizeit benutzt.
Darum ist die Radverkehrsförderung bei uns im Saarland und in ganz Deutschland so wichtig. Das Fahrrad als ideales Kurzdistanz- Verkehrsmittel kann große Anteile der täglichen Kurzstrecken sehr gut ersetzen. Damit werden riesige Schadstoff- und Lärmpotentiale erheblich vermindert. Das Saarland jedoch mit seinen mageren 3 % Radverkehrsanteilen ist damit leider bundesweites Schlusslicht.
Wir wollen und können natürlich niemanden auf das Fahrrad zwingen. Nicht jeder Fahrtzweck lässt sich mit dem Fahrrad abwickeln, nicht jedes Wetter ist geeignet, aber trotzdem können wir beginnen, das Auto vernünftiger einzusetzen und uns öfter einmal auf`s Fahrrad schwingen. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch um der eigenen Gesundheit willen.
(ms im CONTAINER 3 – 92/93)


Kommt Zeit, kommt Rad
Wie steht’s um das Radwegenetz der Stadt Lebach
Wir berichten über das Gespräch mit Herrn Th. vom Umweltamt Lebach, der seinerzeit an der Erarbeitung des Radwegekonzeptes rad(t)- und tatkräftig mitgewirkt hat.
Um das bereits vorhandene Potential an Radverkehr noch stärker auszuschöpfen und etwas für die geschundene Umwelt zu tun, riefen eine 8’er KLasse des Nikolaus-Groß-Schule und eine 10’er Klasse der Kreisrealschule in Zusammenarbeit mit ihren Lehrern Herrn Meiser und Herrn Martini und mit Herrn Th. einen Workshop zur Förderung des Ausbaus der Radwege im Raum Lebach ins Leben.
In diesem Workshop wurden Radwegelösungen für die Stadt Lebach ausprobiert und vorgeschlagen.
Mittlerweile wurde dieser Entwurf von der Verwaltung verabschiedet, und verschiedene Radwege befinden sich schon in Planung, wie z.B. einer in Richtung Schmelz, um den Schülern dieser Region die Fahrt mit dem Rad ungefährlicher zu gestalten. Doch nicht alle Konzepte sind so leicht zu verwirklichen wie dieser. So ist es oft nicht möglich, unübersichtliche Kreuzungen im City-Bereich fahrradfreundlicher zu gestalten. Die Stadt hat noch ein Ingenieurbüro zur Ausarbeitung von Lösungen engagiert. Einige Wege liegen im Zuständigkeit des Landes, andere im Zuständigkeitsbereich der Stadt.

Wer wartet nun auf wen? Wer beginnt zuerst, mehr Radwege einzurichten?
Haben Fahrradfahrer eine Chance in Lebach?
Fahrradwege bewilligt, Finanzierung jedoch noch sehr fraglich

Das Fahrrad stellt ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel dar. Aus diesem Grunde sollten zukünftig Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrradverkehrs besondere Bedeutung zukommen. Die Umweltfreundlichkeit dieses Verkehrsmittels besteht vor allem darin, dass bis auf geringe Materialvorleitstungen, die im Vergleich zu dem motorisierten Verkehr unbedeutend sind, dieses emissionsfrei ist. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass es in hohem Maße „individuell“ ist, d.h. das Ziel kann in der Regel direkt angefahren werden, Fahrzeitpunkt und Wegstrecken sind grundsätzlich frei wählbar, Verkehrsengpass-Situationen sind unbedeutend.“ So heißt es im Vorwort zum Radwegekonzept der Stadt Lebach.

Nach Angaben von Herrn Th., dem Leiter des Umweltamtes Lebach, und Herrn Barke, dem 1.Beigeordneten, ist das Radwegekonzept, das von der CDU-Fraktion gefordert wurde, im Stadtrat im letzten Jahr einstimmig bewilligt worden. Das Konzept wurde von Schülern und Lehrern der KRS Lebach und der Nikolaus-Groß-Schule in einem Workshop zusammen mit dem Umweltamt der Stadt ausgearbeitet.

Der größte Teil der Straßen im Raum Lebach besteht jedoch aus Bundes- und Landstraßen, deren Aus- und Umbau nicht Sache der Stadt ist. Nach Angaben von Barke und Thielgen stehen in diesem Jahr für den Ausbau und die Anlage von Radwegen in Verantwortung der Stadt keine finanziellen Mittel zur Verfügung . Deshalb kann der Ausbau frühestens im neuen Haushaltsjahr 1996 beginnen, falls die Mittel freigegeben werden – und das ist eine politische Entscheidung, die der Stadtrat zu treffen hat.

Wenn der Ausbau aller Radwege sofort beginnen würde, könnte das Radwegenetz binnen 2 Jahren fertiggestellt sein. Dies ist aus finanziellen Gründen nicht möglich, weil allein für die Stadtstraßen 70000 bis 80000 DM aufgebracht werden müßten. Das Land gibt nur in einem bestimmten Umfang Zuschüsse für das Projekt. Zudem könnten die Grundstücksbesitzer gegen die Radwege auf ihrem Grundstück Beschwerde einlegen.

In der Stadt Lebach sind bereits ca. 15 km Radweg vorhanden. Nach dem Radwegekonzept soll sich die Gesamtlänge erheblich vergrößern. Bei einem Ausbau der Bundesstraßen , z.B. in Richtung Knorscheid, müssten eventuell Bäume gefällt – das einzige, was Herrn Th. an dem ganzen Projekt missfällt.
Auch die Bürger begrüßen das neue Radwegekonzept, es wurde in allen Lebacher Ortsräten einstimmig beschlossen. Nach 20 Jahren wird zugegeben, dass man die Fußgänger und Fahrradfahrer benachteiligt hat. Hätte man gleichzeitig mit dem Bau der Straßen auch ein Radwegenetz mit eingeplant, wären die Kosten heute erheblich geringer gewesen.
Das Auto hatte damals wie heute Vorrang. Sowohl Herr Th. als auch Herr Barke sind der Überzeugung, dass nach Fertigstellung des neuen Radwegenetzes viele Bürger aufs Fahrrad umsteigen werden, was auch notwendig ist, weil nach einer Shell-Prognose der Autoverkehr um die Jahrtausendwende um rund 20% ansteigen wird. Sollte dies wirklich eintreten, hätte dies auch in Lebach noch mehr Verkehrschaos zur Folge.

(Holger Kipping, Dirk Reiter, Thorsten Petilliot, Klasse 10c in Container 1 – 95/96)


Radwege in Lebach – Wie hoch liegt der Staub auf den Akten des Fahrradwegekonzepts?

Als 1993 das Projekt Fahrradwegekonzept vom Umweltamt der Stadt Lebach, Schülern der Realschule und der Nikolaus-Groß-Schule und den Lehrern Martini und Meiser entwickelt wurde, war viel Begeisterung von Politikern zu hören. Aber die Akten verstaubten und verstaubten, bis wir mit unserer Schülerzeitung etwas die Akten von Staub befreit haben. Beim ersten Gespräch bekamen wir zu hören, dass die Vorschläge nicht durchzuführen seien wegen des hohen finanziellen Aufwands und aus verkehrspolizeilichen Gründen (außer der 30er Tempozonen).

Beim 2. Gesprächstermin bekam ich endlich etwas Positives zu hören. In der Kapellenstraße soll ein Mehrzweckstreifen eingeführt werden. Dies schafft eine bessere Verbindung zu den Gymnasien und für die Sporthalle, aber für unsere Schule kein großer Erfolg.
Aber erst mal muss die Straße vermessen werden, da es für den Mehrzweckstreifen sinnvollerweise gesetzliche Vorschriften gibt. Probleme wird es mit den parkenden Autos und mit dem Busverkehr geben. Herr Barke sagt, es würde ihm viel daran liegen, dass dies schnell erledigt wird. Dies sollte bis zu dieser Ausgabe erledigt sein!? Ist es aber nicht! Außerdem sollen alle Fahrradwege wieder von der Polizei abgefahren werden! (dm in Container 2-97/98)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.