Die Kunst, langsam zu fahren

Seit die Ebikes das Terrain, die Städte und Wälder erobert haben, was grundsätzlich ein positiver Trend ist, stellen wir und andere Bikekollegen immer öfter fest, dass EbikerInnen sehr schnell unterwegs sind.Für uns: unnatürlich schnell. Man kann es oft schon von weitem erkennen: Vorsicht, da kommt ein Ebiker oder sogar eine Gruppe!

Das Problem für Mensch und Natur, das sich aus dieser ansteigenden Zahl an Radfahrern ergibt, sind nicht so sehr die Massen, die sich jetzt zusätzlich durch Wald und Flur bewegen, sondern eher das Wie. EbikerInnen sind aus verschiedenen Gründen relativ schnell unterwegs. Die neueren Unfallstatistiken zeugen eindeutig davon. Oft sprechen die Bremsspuren auf Radwegen eine deutliche Sprache. Auf dem Weg zur Dellborner Mühle gibt es eine Spitzkehre, vor der bergab meterlange Bremsspuren zu sehen sind. Wer so bremsen muss, fährt eindeutig zu schnell.

Was treibt die Leute so an? Warum sind sie so oft im Turbo-Modus unterwegs? Lediglich deshalb, weil es möglich ist, weil es den Turbo-Gang gibt?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich Politiker und Unfallexperten selten. Ohne Motivationsforschung wird es schwerlich gute Lösungen geben. Zur Zeit geht es immer nur um Schadensbegrenzung (meist mit wirtschaftlichem Hintergrund). Da sind die unterschiedlichsten Maßnahmen in der Diskussion: Nummernschilder, um die Raudis besser zu identifizieren, einen Ebike-Führerschein, natürlich Verbote für bestimmte touristisch bevorzugte Regionen…

Wer jedoch langsam fährt, hat mehr vom Leben. „Entschleunigung“ ist schon seit einigen Jahren ein Schlagwort und ein Denkansatz. Bis zu den Ebikern und manchen Mountainbikern ist diese Weisheit noch nicht durchgedrungen.
Dabei bedeutet Langsam fahren gewinnen:
– mehr Sicherheit, weil ich besser reagieren kann, kürzere Bremswege habe
– mehr sehen, fühlen und riechen, was um einen herum passiert: die Schönheit(en) am Wegrand wahrnehmen
– weniger Stress und Anspannung: langsamer fahren erfordert nicht so viel Konzentration

Wer es natürlich eilig hat, weil ein Termin ansteht und die Zeit knapp wird, muss schneller fahren.
Wer Leistungssport betreibt und für einen Wettkampf trainiert, muss schnell fahren üben…

Aber: Diese Entscheidungen trifft der Einzelne in der Regel selbst und ist selbst verantwwortlich…

In einer Gruppe, z.B. unserer Sonntagsgruppe, ist es nicht immer einfach, durchgehend und gemeinsam langsam zu fahren. Meist ist einer dabei, dem dies irgendwie widernatürlich erscheint. Aber Übung macht auch hier den Meister…

 

Fahrer/innen: allein
Strecke: Schmelz, Limbach, Scheuern, Neipel
Dauer/Länge/Höhenmeter: 1:30 Std
Typ/Zweck: Erkundung, Fitness und Vergnügen
Wetter: 18 Grad, bewölkt
Fotos: Sony rx100 / 11 St.
Steine: %
Rad: Levo

Nach dem Kiesertraining heute Morgen geht es sinnvollerweise bei dieser kleinen Tour langsam zu. Zeit zu entspannen, herum zu schauen, kleine Schönheiten entdecken… Ein neuer Weg wird ausprobiert in der Nähe von Limbach, er ist aber nicht be-merkenswert…


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