J.W. Goethe übers Mountainbiken

Natürlich hatte der große deutsche Dichter nichts mit Radfahren am Hut, geschweige denn mit Mountainbiken. Faszinierend ist jedoch seine Sprache und wie er sich ausdrückt, wenn er von etwas begeistert und eingenommen ist. Wir sind begeistert und eingenommen vom Mountainbiken, also können wir Goethes Sprache einmal benutzen, um diese Leidenschaft auszudrücken:

Unglücklicher! Bist du nicht ein Tor? Betrügst du dich nicht selbst? Was soll diese tobende, endlose Leidenschaft fürs Mountainbiken? Ich habe kein Gebet mehr als daran; meiner Einbildungskraft erscheint keine andere Beschäftigung als diese , und alles in der Welt um mich her sehe ich nur im Verhältnisse damit .
Und das macht mir denn so manche glückliche Stunde – bis ich mich wieder davon losreißen muß! Ach Freunde! Wozu mich mein Herz oft drängt! – wenn ich auf dem Rad gesessen bin, zwei, drei Stunden, und mich an der Natur, an ihrem himmlischen Ausdruck geweidet habe, und nun nach und nach alle meine Sinne aufgespannt werden, mir es düster vor den Augen wird, ich kaum noch höre, und es mich an die Gurgel faßt wie ein Meuchelmörder, dann mein Herz in wilden Schlägen den bedrängten Sinnen Luft zu machen sucht und ihre Verwirrung nur vermehrt – Freunde, ich weiß oft nicht, ob ich auf der Welt bin!
Und – wenn nicht manchmal die Wehmut das Übergewicht nimmt und E. mir den elenden Trost erlaubt, auf ihrer Hand meine Beklemmung auszuweinen, – so muß ich fort, muß hinaus, und schweife dann weit im Felde umher; einen jähen Berg zu erklettern ist dann meine Freude, durch einen unwegsamen Wald einen Pfad durchzuarbeiten, durch die Hecken, die mich verletzen, durch die Dornen, die mich zerreißen! Da wird mir’s etwas besser! Etwas! Und wenn ich vor Müdigkeit und Durst manchmal unterwegs liegen bleibe, manchmal in der tiefen Nacht, wenn der hohe Vollmond über mir steht, im einsamen Walde auf einen krumm gewachsenen Baum mich setze, um meinen verwundeten Knochen nur einige Linderung zu verschaffen, und dann in einer ermattenden Ruhe in dem Dämmerschein hinschlummre!
O Freunde! Adieu! Ich sehe dieses Elendes kein Ende, also weiter machen…

(30. August 1771 – frei nach Goethe, Die Leiden des jungen Werther)

Als Kontrast dazu eine Schülerzeichnung aus den 80er Jahren


Eine Antwort auf „J.W. Goethe übers Mountainbiken“

  1. Hallo Norbert, was grosse deutsche Dichter so zum Mountainbiken gesagt bzw. natürlich nicht gesagt haben, klingt auch ein wenig beängstigend. Begeistert, getrieben, süchtig? Übers Winterbiken schweigt er sich aus. Genau wie Rilke in seinem Gedicht Herbsttag. Es endet mit dem Satz „Und wird in den Alleen hin und her unruhig biken wenn die Blätter treiben“.

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