Vorsicht Müllabfuhr!

Weil ich morgens öfter im Blog nachschaue, was sich die Besucher, die gerade online sind, ansehen, stoße ich auf einen längst vergessenen Blogbeitrag aus dem Jahr 2007, einer Satire mit realem Hintergrund und dem Titel „Ergreifend“:

Nichts ahnend, was auf ihn zukommt, radelt unser Freund sorglos und einigermaßen gut gelaunt zur Arbeit. Es ist noch dunkel so früh am Morgen und regnen tut es auch noch. Nichtsdestotrotz, unser Mountainbiker ist unterwegs, etwas spät zwar, weil er wieder einmal die Überschuhe nicht zubekommen hat. Die Reißverschlüsse hinten waren noch vom Vortag verdreckt und ließen sich einfach nicht hochziehen. Erst die Kneifzange und einige Flüche halfen… Die verlorene Zeit muss über einen kürzeren Weg eingeholt werden. Dieser Weg führt durch den Ort und in Anbetracht des irrsinnigen Straßenverkehrs und einer Baustelle mit Ampel über den Bürgersteig.

Es ist Montag, Müllabfuhrtag. Das bedeutet: Slalomfahren. Eigentlich ein gutes Geschicklichkeits- und Techniktraining für einen Mountainbiker. Aber morgens um diese Zeit?! Die Mülltonnen stehen akkurat ausgerichtet am Straßenrand. Wir sind in Deutschland. Das steht für Ordnung und Sauberkeit. Aber auch für Rationalisierung bis zur Schmerzgrenze. Der gute alte Müllmann verschwindet immer häufiger aus dem Straßenbild. Das war der, der in seiner heftig fluoreszierenden Arbeitskleidung (die übrigens auch vernünftige Alltagsbiker, wenn sie länger im Straßenverkehr überleben wollen, immer öfter tragen sollten ) munter vom Müllwagen auf und ab sprang und sich liebevoll um die vollen Tonnen kümmerte. Die Gegend, die unser Mountainbiker durchfährt, ist von solchen Müllmännern fast „befreit“.

Schon länger ist es her, als ihm zum ersten Mal dieses seltsame Fahrzeug morgens begegnete. Science Fiktion? Ein fahrerloses Fahrzeug, das sich gezielt an den Reihen von Mülltonnen vorbei bewegte, einen Greifarm seitlich ausfuhr, nach einer Tonne griff und sie in einer schnellen Bewegung ins Auto entleerte – und wieder genau am selben Platz abstellte.
Inzwischen hat er sich an den Anblick gewöhnt und weiß, dass der Fahrer auf der Beifahrerseite sitzt und die Hebel bedient. Wie diesmal auch.

Noch vier Tonnen trennen den Mountainbiker von der Maschine. Verflixt, links kann er nicht vorbei fahren. Kein Platz mehr, ein Mäuerchen. Zu warten hat er auch keine Lust. Also: vorbeifahren zwischen Tonnen und Auto. Der Fahrer wird hoffentlich schon wach sein und warten, bis er vorbei ist. Schließlich hat er Licht am Rad und ist gut zu sehen. Genau in dem Moment aber, als er an der entsprechenden Tonne vorbei fährt, fährt auch der Greifarm aus. Die Hebel fahren unters Oberrohr und hieven Fahrer und Bike in einem Salto nach oben. Das Bike bleibt klemmen, die Klickis lösen aus und der Fahrer verschwindet in der Öffnung, das Rad wird wieder zurück gestellt…

Unser Pechvogel hat aber Glück im Unglück: Unverletzt landet er weich im Wohlstandmüll. Zudem trägt er einen Helm und dort ist sogar eine kleine Lampe montiert, die ihm jetzt Licht spendet.
Keine Panik, denkt er, ich wollte eigentlich schon immer wissen, wohin die den ganzen Müll schaffen… Um sein Bike macht er sich weniger Sorgen: Sperrmüllabfuhr ist erst in drei Wochen.

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