Karwendel 2007/3

2. Tag: Von der Falkenhütte bis zur Gernalm

 

Verkaufsgespräch am Abgrund
Einmal Kaffeefrühstück mit Margarine und zweimal Teefrühstück mit Margarine bitte! Kaum bestellt, schon auf dem Tisch. So gestärkt stürzen wir uns in die Wolken. Wir versuchen zuerst über einen Wanderweg direkt von der Hütte aus ins Laliderertal zu kommen, brechen aber wegen des schlechten Weges ab und fahren auf der anderen Seite übers Spielissjoch runter ins Tal. Schöner verblockter Pfad! Wer Zeit und Lust hat, kann ganz rauf bis zum Hohljoch fahren und dann links runter ins Tal. Die Abfahrt direkt zur Engalm soll nicht empfehlenswert sein. Kurze Schiebepassage, dann sausen lassen bis zur Fahrstraße nach Eng. Der Weg ist breit und ziemlich geröllfrei, also laufen lassen und die Sicht genießen: Nebel wallen noch über die Wiesen, kahle Ahornbäume strecken ihre Arme in die Höhe, Felswände stehen übermächtig rechts und links des Tales…

 

 

Über die Teerstraße geht es zügig hoch zu den Engalmen. Jonas verschafft uns dort durch einen Plattfuß eine Umzieh- und Telefonierpause. Viele Wanderer sind schon unterwegs, es ist Samstagvormittag, bis Eng kommt man bequem mit dem Auto. Wir fahren rauf zur Lamsenjochhütte – eine ausgeschilderte MTB-Strecke (Bike Trail Tirol). Nichtsdestotrotz meckert eine ältere Dame mit uns: Der Weg sei nicht für Radfahrer zugelassen. Sie ist aber die einzige Person, die in den drei Tagen negativ auf uns reagiert hat. Ansonsten: viele Gespräche, Anerkennung. Auf der sehr steilen Auffahrt (fast 30 Prozent!) klatscht uns eine Wandergruppe sogar laut Beifall. Wir strengen uns ja auch sehr an (siehe Fotos!). Die Beschilderung der Strecke hoch zum Lamsenjoch ist nicht immer ganz eindeutig. Fahr- und Wanderweg kreuzen sich öfter. Wer fahren und nicht schieben will folgt dem leider sehr schottrigen Karrenweg. Auch nach der Binsalm, auch wenn kein Schild nach oben weist. Über ein großes Schotterfeld stößt man wieder auf den Fahrweg. Ab und zu sollte man sich eine Pause gönnen, nicht erst am Joch, und zurück sehen…

 

 

Spektakulär, gut für eine Gänsehaut: der Trail zwischen Lamsenjoch und Lamsenjochhütte. Schmal, aber fahrbar, wenn nicht zu viele Wanderer herlaufen. Mitten auf diesem Stück, werden wir von einem Kufsteiner angesprochen, der sich sehr für Jonas´ Bike interessiert: ausführliches Verkaufsgespräch am Abgrund. Jonas hinterlässt die Visitenkarte für seinen Onlineshop und der nette Typ gibt uns noch den Tipp, nicht ins Inntal abzufahren, sondern ins Falzthurntal. Das hatten wir auch schon überlegt, aber wegen der Steilheit der Strecke eine andere geplant. Hochbetrieb an der Lamsenjochhütte, viele Mountainbiker, die von Stans aus gut hochkommen können, und viele Wanderer. Hoch türmen sich die Felswänder ringsherum und in der Gaststube herrscht Hektik. Wir lassen uns den Tee draußen servieren, auch wenn es sehr kalt ist. Sollen wir die Sojawürstchen, die wir dabei haben, im heißen Tee aufwärmen?
Zwanzig Minuten Tragen ins Falzthurntal hinunter. Dann folgt ein toller langer Singeltrail, erst sehr steilkurvig, später schön fahrbar. Vor der Gramaialm stoppen wir ab, um uns noch etwas vor einem alten Ahornbaum in die Sonne zu legen. Die Alm ist mit dem Auto erreichbar, so dass viele Touris nach uns sehen. Einer ist ganz dreist: „Hab ihr den Opa da kaputt gemacht?!, fragt er die Jungs. Da fahre ich doch wie von einer Ameise gebissen hoch… Später kommt noch unser Kufsteiner Guide herunter gewandert und schaut nach, ob wir den von ihm vorgeschlagenen Trail auch gut geschafft haben. Na ja, einmal bin ich im losen Schotter a bisserl gesurft…

 

 

Über einen schönen, kaum benutzten Wanderweg sausen wir bis Pertisau am Achensee hinunter. Aber oh Schreck: ein mondänes, auf Erlebnisurlaub in herrlicher Berglandschaft getrimmtes Örtchen. Touristendampfer an See, Touristenmassen ebenfalls. Amüsiert schauen wir uns das Treiben an. Überall fotografierende Japaner oder Taiwanesen. Einem gebe ich ein Zeichen, uns drei Biker vor der Seekulisse zu fotografieren. Was passiert? Er stellt sich zu uns in die Reihe und einige andere fotografieren die extravagante Mischung. Und ein zweiter kommt angerannt und stellt sich ebenfalls dazu. Später halten sie noch einen alten Pertisauer Ureinwohner an und lichten ihn ab, der Mann hält still und trabt dann kopfschüttelnd weiter…

 

 

Das Nachtlager schlagen wir auf der Gernalm auf (1196m). Bergsteigerschlafplätze gibt es keine mehr, so gönnen wir uns eine feudale 3-Betten-Suite mit Blick auf die Berge. Abends gibts a la carte: Grillwürstchen, Pommes und Salat. Das Ganze bitte drei Mal ohne die Würstchen! Das dunkle Weizenbier vom Fass ist zu empfehlen…

 

Biken in Tirol: Karten, Strecken, Tipps…

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