Vegan biken

Hauptsach, gudd gess!
Für uns Saarländer ist dies nicht nur ein lockerer Spruch, sondern für viele eine Lebenseinstellung. Und Sportler, dazu gehören wohl auch wir Mountainbiker, müssen „gut“ essen, damit die „Quälerei“ auch Spaß macht. Doch wie definiert man „gut“ essen? Für 99% der Saarländer ist das gar keine Frage.
Wir selber leben seit über zwanzig Jahren vegan, d.h., wir essen keinerlei irgendwie tierische Produkte. Dass uns dabei etwas fehlt, haben wir noch nicht bemerkt…




Ob bei der großen Abschlussveranstaltung des MTB-Cup Saar-Pfalz, den großen Nudelpartys der Marathonveranstaltungen: Immer mehr MountainbikerInnen greifen nach der fleischfreien Variante. Gründe dafür gibt es genug: Mitleid mit Tieren, Mitleid mit der Umwelt, Mitleid mit mir selbst. Ich kann nichts falsch machen, wenn ich tiereiweißfreie Nahrungsmittel esse. Die üblichen Argumente der Ärzte und der Lebensmittelindustrie ziehen längst nicht mehr. Viele sind jedoch unsicher, ob sie nicht doch etwas verpassen, wenn sie vegetarisch oder vegan leben. Auch die harten Zeiten, als viele Produkte noch nicht ausgereift waren, sind inzwischen vorbei. Vegan ist lecker.

Essensmäßig orientieren wir uns stark an Attila Hildmann und seinen Kochbüchern. Sie liegen immer griffbereit in der Küche herum. Ein Rezept möchten wir euch empfehlen, es ist eines unser Lieblingsessen geworden, Zucchini-Spaghetti alla Carbonara. Das schmeckt sehr gut und macht richtig satt.
Beim Kochen empfehlen wir: Verwendet auf jeden Fall nicht nur weißes Mehl, keinen Industriezucker, sondern Vollkorn und alternative Süßungsmittel (z.B. Ahornsirup). Einfach Tierisches weglassen genügt nicht, das kann tatsächlich schnell zu Mangelerscheinungen führen.

Kurze FAQs (Fragen/Antworten)
Viele Leute haben oft eigene Vorstellungen, was veganes Essen angeht…
Frage: Dürft/könnt/wollt ihr eigentlich Bier trinken? Antwort: Klar, Bier ist vegan!
Frage: Dürft/könnt/wollt ihr eigentlich Eis essen? Antwort: Klar, Sojaeis, Reismilcheis, Früchteeis!
Frage: Dürft/Könnt/wollt ihr eigentlich kühle Milch trinken? Antwort: Klar, Sojamilch, Reismilch!
Frage: Dürft/Könnt/wollt ihr eigentlich Schnitzel essen? Antwort: Klar, Tofuschnitzel, Gemüseburger!
Frage: Dürft/Könnt/wollt ihr eigentlich Würstchen grillen? Antwort: Klar, Sojawürstchen!
Frage: Dürft/Könnt/wollt ihr eigentlich Pizza essen? Antwort: Klar, mit veganem Käse!
Wir essen alles, was andere Leute auch essen, nur sind eben „keine Tiere“ drin…
Wenig gefragt wird nach den Hinter-Gründendieser Ernährungsweise! Eigentlich schade! Der Mensch ist ja nicht nur eine Maschine, die mit Nährstoffen versorgt werden muss, sondern er ist ein fühlendes, denkendes Wesen. Essen ist eben nicht einfach nur Kauen und Runtershlucken…

Aus wissenschaftlicher Sicht
Vorweg. Sich vegetarisch ernähren heißt: auf Fleisch, Wurst und Fisch verzichten. Sich vegan ernähren heißt: darüber hinaus auch auf Nahrungsmittel vom Tier (also auf Eier, Milch, Sahne, Käse und Quark) verzichten.
Noch vor wenigen Jahrzehnten betrachtete man vegetarische Ernährungsformen sehr skeptisch. Anfang der 70er Jahre war Vegetarismus mit Drogenkonsum assoziiert und wurde als Kult bezeichnet. Vom gesundheitlichen Standpunkt wurde mit dem Verzicht auf Fleisch Eisenmangel in Verbindung gebracht. Seither wurde eine große Zahl an Studien an sich vegetarisch ernährenden Kollektiven durchgeführt, mit erstaunlichen Ergebnissen: VegetarierInnen leben gesünder! Sie erkranken weniger häufig an Krebs, Herzleiden, Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck, Gallen- und Nierensteinen. Heute empfehlen ErnährungswissenschafterInnen Vegetarismus für alle Bevölkerungsschichten als gesunde Ernährungsform. Erst seit kurzem wird einer rein pflanzlichen Kost die Abdeckung des Nährstoffbedarfs von Menschen im Erwachsenenalter – mit Ausnahme von Vitamin B 12 – zugesprochen. Die wenigen Studien, die bisher an veganen Menschen durchgeführt wurden zeigen, dass AnhängerInnen dieser Ernährungsform, ein noch geringeres Risiko an einer der oben genannten Zivilisationskrankheiten zu erkranken, aufweisen.
(Quelle: Ave, Arbeitskreis Veganer Ernährungswissenschaftler, Universität Wien)
Es gibt natürlich viele andere Studien von Wissenschaftlern. Doch schaut euch immer an, wer sie finanziert- entsprechend sehen die Ergebnisse aus…

Die Gründe
Wer fit und gesund fürs Biken sein will – und wer in einer intakten Umwelt biken will, ist bereit, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen – er ernährt sich vegan!
Es gibt viele gute Gründe, auf Fleisch und andere tierische Produkte bewusst zu verzichten:

    ethische Gründe – unnötiges Quälen und Töten von Tieren
    politische Gründe – Hunger in der sog. 3. Welt
    religiöse Gründe – Urchristentum, Fasten
    gesundheitliche Gründe – Fleisch macht krank
    ökologische Gründe – Zerstörung der Erde

Oder kennst du ein wirklich gutes Argument fürs Fleischessen??

Fürs Biken sind die beiden letzten Gesichtspunkte besonders interessant. Erstmal ganz egoistisch: meine Gesundheit liegt mir besonders im Magen. Ich will mich nicht nur übermorgen wohlfühlen, sondern auch jenseits der 50-Jahre-Marke noch lustvoll Leistung bringen. Wir müssen also langsfristig denken. Dann nämlich ist die Ernährung von besonderer Bedeutung. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass die vegetarische, (sogar) die vegane Lebensweise einen besseren gesundheitlichen Zustand und eine längere Lebensdauer fördern. Garantien gibt’s keine, dafür spielen bei der Gesundheit noch zu viele andere Faktoren eine Rolle.
Absolut wichtig ist, damit die Schulmediziner mit ihrer Warnung von der Mangelernährung nicht Recht bekommen: die vollwertige Ernährung. Es genügt eben nicht, einfach nur Fleisch und alle sonstigen tierischen Produkte wegzulassen. Unser Körper braucht natürlich alle diese wichtigen Stoffe, die durchaus in tierischen Produkten enthalten sind. Die bekommt ihr durch eine bewusst vollwertige Ernährung: unbedingt das weiße Brot weglassen, Zucker verweiden, viel Rohkost, Obst und Gemüse…

Alle diese theoretischen Überlegungen können von uns „Vegan Bikern“ in der Praxis belegt werden. Seit vielen Jahren ernähren wir uns vegetarisch, jetzt auch vegan. Bezüglich Vitamin B12 empfehlen wir die Supplementierung (Tabletten, Getränke…). Regelmäßige Blutuntersuchungen und Leistungstests, die wir machen lassen, zeigen, dass dies der richtige Weg ist. Erfolge bei Mountainbike- und Straßenrennen, Teilnahme an Marathons und CTFs machen uns deshalb umso mehr Spaß.

Die Umwelt
Die wenigsten wissen, dass die tägliche (falsche) Ernährung auch erhebliche ökologische Folgen hat. Die meisten tierischen Nahrungsmittel stammen aus der Massentierhaltung (Rinder, Schweine, Geflügel). Wir brauchen gar nicht nur an die Zerstörung der tropischen Regenwälder (schön weit weg von uns) zu denken. Vor der Haustür passiert es:
Durch Unmengen von Mist, Gülle und anderen Exkrementen wird der Boden überlastet, zuviel Nitrat gelangt ins Grundwasser, zuviel Methan gelangt durch die Kühe in die Luft, Ammoniak kommt auf uns als Saurer Regen nieder, der mit am Waldsterben schuld ist.
Wer zudem Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau kauft, hilft auch mit, Boden und Grundwasser vor Chemieattacken zu bewahren.
Inzwischen ist auch klar, dass Fleischkonum zum Klimawandel beiträgt.
Vorsicht ist inzwischen auch angesagt bei sog. Bioprodukten. Seit man damit Geld verdienen kann, ist diese Branche vor Skrupellosen auch nicht geschützt, Skandale häufen sich. Wir raten zum Kauf von traditionellen Biomarken wie Demeter oder Bioland.

Die praktische Seite
Bleibt noch die Standardfrage aller Fleischfans: Ja, was esst ihr denn dann??
Antwort: Nur gute, leckere Sachen. Getreide- und Sojagerichte, Gemüse, Obst, Salate, Brot, Müslis und und und… Nochmal: Um die immer angedrohten Mangelernährungserscheinungen zu verhindern, ist Vollwertkost absolut notwendig. Fleisch und sonstige tierische Nahrungsmittel einfach weglassen – geht auf Dauer nicht!
Nächste Frage: Wo bekommt ihr die Sachen denn her? Sind die nicht zu teuer?
Antwort: Mit dem, was man an Geld für teures Fleisch usw. bezahlt,kann man locker die vollwertigen Lebensmittel bezahlen. Unser Weg führt in der Regel in den Bioladen. Aber auch die großen Handelsketten haben ein Bioregal oder vegane Lebensmittel im Angebot. Ein bisschen Suchen ist notwendig. Und ein Blick auf die Zutatenliste, denn oft steckt zu viel Chemie in den veganen Lebensmitteln. Und wichtig: Weniger ist mehr! und tut der Gesundheit und der Figur gut.
Ein anderer bequemer Weg: Bestellungen über den Versandhandel im Internet, gute Erfahrungen haben wir mit z.B. bei Alles vegetarisch, Radix (München) gemacht.
Natürlich brauchen wir auch die guten „alten“ Bioläden, um Brot (falls wir mal nicht dazu kommt, welches zu backen) und andere frische Sachen zu kaufen. Viele interessante Infos über neue Produkte, Literatur, Kontakte gibt auf der Seite Vegan.de und vielen anderen…

 

 
Der Weg zu einer bewussteren Lebensweise, zu einer ganzheitlichen Sicht der Welt, ist bestimmt ein langer und ein steiniger. Perfekt (im Sinne von alles richtig machen) werden wir selber nie werden, auch wenn andere das immer wieder von uns erwarten …
Aber sich auf diesen Weg zu machen lohnt auf jeden Fall.
Sich dabei Zeit lassen ist ganz wichtig.
Hauptsache, irgendwo bei sich selbst beginnen.
Go vegan.

3 Antworten auf „Vegan biken“

  1. Prostatabeschwerden beim Radfahren
    Nach meiner Erfahrung wir dadurch zuviel Druck auf die Prostata ausgeübt. Deshalb versuche den Sitz möglichst weit nach vorne zu neigen. Es ist auch wichtig den Lenker so aufzubauen, dass man mindests zwei unterscheidliche Höhen für die Hände hat. Beim Fahren sollte man auf eine dynamische Bewegung achten und sowohl für den Körper als auch für die Hände ständig eine andere Position einnehmen, damit man in ein und derselben Position nicht allzulange verharrt.
    (If you’re using a road bike, put „Aero“ bars on the front and use them, the „aero“ bar position raises your seat quite a bit and saves your prostate some wear and tear.)
    Vorkurzem habe ich im Winter 3 Monate pausiert, um einige ungeklärte Beschwerden auszukurieren. Dabei stellte ich keinerlei Auswirkungen auf die Prostatitis fest. Wenn ich aber ein geliehenes oder geborgtes Fahhrad fuhr, das keinen geeigneten Sitz etc. hatte, so konnte ich meistens nach kurzer Zeit eine deutliche Verschlechterung meiner Prostatitis feststellen.
    Man sollte immer gepolsterte bzw wattierte Radhosen anziehen. Ich benutze manchmal sogar 3 paar übereinander.

  2. Hallo
    Freue mich, dass ich diese Web-Seite zufällig auf der Suche nach schönen Alpentouren gefunden habe.
    So ganz vegan ernähre ich mich zwar nicht, lebe aber seit vielen Jahren mit der vegetarischen Ernährung recht zufrieden.
    Frage: Gibt es zu den gut beschriebenen Touren auch den einen oder anderen aufgezeichneten Track (gpx) ? Wenn ja, wie könnte man darauf zugrifen ? Tourenportal ?
    Ich fahre Touren immer sehr gerne mit meinem Navi (Garmin.
    Grüße aus Niederbayern

    Fritz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.